Antrag zur 55. BVV XXI - Antrag 6

ANTRAG
der Fraktion(en) SPD
in der BVV Tempelhof-Schöneberg

Gedenken an Beginn der Deportationen vor 85 Jahren – auch in Tempelhof Schöneberg

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Die BVV ersucht das Bezirksamt, in diesem Oktober den ersten Deportationen von jüdischen Bürgerinnen und Bürger zu gedenken. Beginnend im Oktober 1941, vor 85 Jahren, wurden während der NS-Zeit von den über 16.000 in Schöneberg lebenden Menschen jüdischen Glaubens über 6.000 vor den Augen ihrer Nachbarn und Nachbarinnen deportiert. In Tempelhof lebten damals 2.300 jüdische Bürgerinnen und Bürger; von ihnen wurden 230 deportiert.

Das Bezirksamt wird ersucht, an öffentlichen Orten und bei für alle zugänglichen Veranstaltungen an die Deportationen aufmerksam zu machen und den Menschen zu gedenken - zum Beispiel durch Hinweise unweit von Bahnhöfen und Haltestellen, an Plätzen oder bezirklichen Einrichtungen.

Der BVV ist bis September 2026 zu berichten.

Begründung

Am 18. Oktober 1941 zog eine Kolonne von Hunderten jüdischen Menschen durch Berlin zum Bahnhof Grunewald. Mehr als tausend Menschen aus verschiedenen Teilen der Stadt wurden an diesem Tag verschleppt. Die genaue Route ist nicht bekannt, doch führte der Marsch durch die belebte westliche Innenstadt rund um den Kudamm. Vom »Gleis 17« des Bahnhofs Grunewald schließlich verließ der erste Deportationszug die Stadt.

Die Menschen, die diesen Weg gehen mussten, waren bis dahin Teil der Berliner Gesellschaft: NachbarInnen, KollegInnen und FreundInnen. Viele lebten seit Generationen in Berlin, insbesondere im Bayrischen Viertel. Sie prägten Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann ihre systematische Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung.

Mit den systematischen Deportationen ist ein Kapitel aufgeschlagen worden, das die faktische Umsetzung judenfeindlicher Verordnungen und Gesetze bedeutete und damit in die Vernichtung führte. Die Verschleppung erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch Hitlers. Propagandaminister und Berliner Gauleiter Joseph Goebbels notierte am 24. September 1941 nach einer Besprechung mit Hitler: „Die ersten Städte, die nun judenfrei gemacht werden sollen, sind Berlin, Wien und Prag. Berlin kommt als erste an die Reihe ...“

Nach 521 Kilometern Fahrt erreichte der Zug am 19. Oktober 1941 um 14 Uhr sein Ziel: das Ghetto Łódź, das die deutschen Behörden 1940 als sogenanntes „Produktionsghetto“ eingerichtet hatten.

Die meisten der über 50.000 Berliner Juden und Jüdinnen, die zwischen 1941 und 1945 verschleppt wurden, überlebten nicht.

Grad heute, wo wieder viele Menschen ungewollt aus ihrer Heimat fliehen müssen, ihr Zuhause verlieren, weil sie dort nicht leben können und dort demokratische Strukturen fehlen, gilt es zu erinnern und zu mahnen.

Berlin, den 08.06.2026

Marijke Höppner
Corinna Volkmann
Fraktion der SPD



Berlin, den 8. Juni 2026
Marijke Höppner Corinna Volkmann (Mail)

und die weiteren Mitglieder der
Fraktion der SPD

Der Verlauf dieses Antrags

2026-06-08

Eingebracht


Aktueller Status (Eingebracht):
Wir haben den Antrag in der Fraktion erarbeitet, besprochen und dann eingereicht.

Was passiert als Nächstes?
Auf der nächsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung wird der Antrag diskutiert und dann entweder beschlossen oder in einen Ausschuss überwiesen.

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