Der Traum vom Stadthaus hat den Traum vom Haus im Grünen abgelöst. Immer mehr Menschen entscheiden sich in Tempelhof-Schöneberg für den Bau von privat finanzierten Wohnungsneubauten.
Besonders gefragt ist der Ortsteil Schöneberg mit seiner zentralen Lage und seiner multikulturellen und bunte Szene. Neben klassischen Investoren siedeln sich dort Baugruppen und kleine Genossenschaften an. In einer Baugemeinschaft lässt sich der Wunsch nach Eigentum kostengünstiger planen und finanzieren als allein. Vielen geht es dabei aber auch um eine gute Nachbarschaft mit Menschen, die sie gut kennen oder um die Gründung von Wohnprojekten.
Kritik an Baugruppen
Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Kritik: Gerade alteingesessene Kiezbewohner erheben immer wieder den Vorwurf, dass Wohnbauprojekte zur Verdrängung der angestammten Wohnbevölkerung (»Gentrifizierung«) führt. Auch in Tempelhof-Schöneberg haben immer mehr Menschen die Sorge, ob sie sich auch künftig eine Wohnung in ihrem Kiez leisten können.
Der Bau neuer Wohnungen durch Baugruppen ist allerdings nicht die Ursache für steigende Mieten. Zum einen werden für Neubauten in der Regel keine bestehenden günstigeren Wohnungen abgerissen, sondern überwiegend Baulücken und Brachflächen genutzt. Zum anderen haben Baugruppen meist keine negativen Auswirkungen auf den Mietspiegel, da es sich um Eigentumswohnungen handelt. Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt sind andere: Neue Mietwohnungen werden in Berlin nur in besonders bevorzugten Lagen gebaut, oft mit Kalt-Mieten ab 8 bis 10 Euro pro Quadratmeter. Im Altbestand der Innenstadtgebiete steigen gleichzeitig die Mieten, weil immer mehr Menschen dort wohnen wollen. Die zunehmende Nutzung von Mietwohnungen als Ferienwohnungen sowie die Umwandlung in Eigentumswohnungen verschärfen diese Situation zusätzlich.
Gute Nachbarschaft durch soziale Vielfalt
Neubauprojekten haben aber auch positive Auswirkungen: Wohnungsneubau und Zuzug können stabilisierend und ausgleichend auf Kieze wirken. Einige der Tempelhof-Schöneberger Kieze weisen eine soziale Schieflage auf. Viele Bürgerinnen und Bürger merken dies erst, wenn ihre Kinder ins schulpflichtige Alter kommen und zeigen sich dann erschrocken. Baugruppen können dazu beitragen, dass eine bunte Vielfalt in den Kiezen erhalten bleibt. Dafür ist es wichtig, dass die Projekte sich in die Kieze einfügen. Der Schöneberger Abgeordnete Lars Oberg (SPD) zu Neubauten in seinem Wahlkreis: „Angesichts der zunehmend angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt ist es gut, wenn neue Wohnungen gebaut werden. Ich setze mich im Abgeordnetenhaus dafür ein, dass Baugruppen beim Verkauf landeseigener Liegenschaften, insbesondere in sozial schwachen Kiezen, eine faire Chance erhalten, Grundstücke zu erwerben.“
Christoph Götz, Bürgerdeputierter