Antrag zur 32. BVV XXI - Antrag 5

ANTRAG
der Fraktion(en) GRÜNE, SPD
in der BVV Tempelhof-Schöneberg

Eine Ehrung für Gertrud (Trude) Klühs

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Die BVV ersucht das Bezirksamt, den Raum 2112 neben dem BVV-Saal nach Gertrud Klühs (28.10.1893 – 4.4.1976) zu benennen.

Der BVV ist bis Dezember 2024 zu berichten.

Begründung

Die Ausstellung „Spurensuche Demokratie“ verdeutlich eindrücklich, dass den im Nationalsozialismus verfolgten weiblichen Mitgliedern der Bezirksverordneten-versammlungen in Tempelhof und in Schöneberg bislang keine Ehrung zu Teil wurde. Eine Benennung eines Ausschusssaales kann Abhilfe schaffen. Gertrud Klühs hat sich langjährig in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof engagiert. 

Mit 15 Jahren, noch in Madgeburg lebend, trat Gertrud Thape der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) und der SPD bei. Sie wurde Jugendleiterin der SAJ und arbeitete als Bibliothekarin im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB).

1918 heiratete sie den Journalisten Franz Klühs und zog mit ihm nach Berlin, da er die Stelle des stellvertretenden Chefredakteurs des „Vorwärts“ annahm. Sie wohnten im Kaiserkorso 102 in Tempelhof.

1924 wurde Gertrud Klühs in die Bezirksverordnetenversammlung im Bezirk Tempelhof gewählt.

1933 verlor Gertrud ihr Mandat, denn die Nationalsozialisten lösten die Bezirksverordnetenversammlungen auf. Gemeinsam mit ihrem Mann Franz gründete sie im gleichen Jahr im Wohnhaus der Familie die „Bücherstube Gertrud Klühs“. Die Leihbücherei sicherte das Einkommen der Familie. Ihr Ehemann Franz Klühs war durch das Verbot des „Vorwärts“ arbeitslos geworden, wurde von den Nationalsozialisten zudem verfolgt und wegen Hochverrats in Berlin-Tegel inhaftiert.

Die Bücherstube war aber mehr als Gelderwerb, sie war auch ein Treffpunkt für die mittlerweile verbotene SPD. 1936 musste Gertrud Klühs die Leibücherei schließen, da sie aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen wurde. Es erfolgt zudem ein Umzug in den Kleineweg 77.

Gertrud Klühs nahm eine Stelle als kaufmännische Angestellte bei der Deutschen Gesellschaft für chemisches Apparatewesen (Dechema) an und zog nach Frankfurt am Main als die Firma den Firmensitz verlegte. Ihr Mann Franz Klühs stirbt 1938 an den Folgen der Haft.

Im September 1939 wird Gertrud Klühs verhaftet. Gemeinsam mit Max Westphal wird sie wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt, aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Durch die Verhaftung verliert sie ihren Arbeitsplatz und kann sich in den kommenden Jahren nur mit Gelegenheitsarbeiten außerhalb Berlins finanziell über Wasser halten.                                                                                                                                        Nach Kriegsende kehrt Gertrud Klühs im Mai 1945 zurück nach Berlin und engagiert sich erneut in der SPD.  Bei der ersten Berliner Wahl 1946 wurde sie in die Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin und in die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof gewählt. Sie wurde Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Berlin. Bis 1966 war sie Bürgerdeputierte im Bezirk Tempelhof.

Die Lebensdaten sind dem Katalog der Ausstellung „Spurensuche Demokratie“, ISBN 978-3-9825914-3-8 entnommen.

Berlin, den 09.09.2024

Frau Marijke Höppner
Manuela Harling
Die Fraktion der SPD

Frau Ronja Losert
Bertram von Boxberg
Die Fraktion der B90/Grüne

 



Berlin, den 9. September 2024
Marijke Höppner Manuela Harling (Mail)

und die weiteren Mitglieder der
Fraktion der SPD

GRÜNE-Fraktion

Der Verlauf dieses Antrags

0025-02-19

Beschlossen

2024-09-10

Eingebracht

2024-09-17

Überwiesen (Weiterbildung & Kultur)

2024-11-20

Beschlussempfehlung (Weiterbildung & Kultur)

2024-11-20

Beschlossen

2025-05-21

MZK (Eva Majevski)

2025-05-21

MZK (Eva Majevski)


Aktueller Status (MZK liegt vor):
Das Bezirksamt hat dargestellt, was es nach dem Beschluss durch die BVV zu diesem Thema getan hat. Das ist nicht in allen Fällen die Umsetzung des geforderten.

Was passiert als Nächstes?
Wir schauen uns die MZK jetzt genau an und entscheiden dann, ob uns die Antwort reicht, oder wie wir damit umgehen.

WhatsApp-Kanal

Neues aus dem Bezirk | SPD-Fraktion TS

Wir haben als SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg bei WhatsApp einen Kanal eingerichtet, um über unsere Arbeit zu informieren. Über den kostenlosen Kanal kann man unsere Arbeit verfolgen und ist bestens informiert.

WhatsApp Kanal hier abonnieren

Kontakt

post@spd-fraktion-tempelhof-schoeneberg.de
030 90277 6486

Social Media:

Facebook SPDFraktionTS
Instagram spdfraktionts

Zählgemeinschaft

Die Zählgemeinschaft, die die Grundlage für die Zusammenarbeit der SPD-, der Grünen- und der Links-Fraktion bildet, fußt auf einer Zählgemeinschaftsvereinbarung von 2021, die über eine Zusatzvereinbarung nach der Wiederholungswahl modifiziert wurde.

Zum Vertrag

Social Media