Neues Leben in Luises Haus

Veröffentlicht am 11.03.2011 in Geschichte

Eine starke Frau an Kautskys Seite

Mit der Eröffnung des Karl und Luise Kautsky Hauses, dem neuen Sitz des Bundesverbandes der „Falken“ in der Saarstr. 14 in Friedenau, wird nicht nur an den linken Vordenker der Sozialdemokratie zur Zeit des Sozialistengesetzes erinnert, sondern auch an eine starke Frau an seiner Seite.

Wenn Männer in Anerkennung ihrer großen Leistungen gefeiert werden, pflegen sie oft zu antworten, dass ihre Arbeit nur mit dem Beistand ihrer Lebensgefährtin getan werden konnte. So auch der sozialistische
Schriftsteller und Wissenschaftler Karl Kautsky (1854 -1938), dem es viele junge Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten um 1900 verdankten, dass sie die sozialistische Ideenwelt verstehen lernten, wie eine Zeitzeugin berichtet.

Luise hätte sich schon um die Arbeiterbewegung verdient gemacht, wenn sie dem intensiv arbeitenden Schriftsteller, der nicht gerade von robuster Gesundheit war, eine ruhige und harmonische Atmosphäre geschaffen hätte. Sie wurde am 11. August 1864 in Wien geboren und war schon bewusste Sozialistin als sie Karl Kautsky kennen lernte. Ihre Eltern hatten eine Konditorei und sie wuchs in einem großen und wohlhabenden jüdischen Haushalt auf, in dem sie auch die Romanschriftstellerin und glühende Sozialistin Minna Kautsky, die Mutter von Karl Kautsky, kennen lernte.

Die 26-jährige wurde die Frau des um zehn Jahre älteren Karl Kautsky, der damals schon die Zeitschrift „Die neue Zeit“ herausgab. Vom Beginn dieser 1890 geschlossenen Ehe an, hatte sich Luise Kautsky mit allem vertraut gemacht, woran ihr Mann arbeitete. Wegen der Unfreiheit auf dem europäischen Kontinent wollten sie nach England auswandern. Da fiel das Sozialistengesetz in Deutschland und sie siedelten erst nach Stuttgart, wo ihnen drei Söhne geboren wurden, dann nach Berlin über.

Zahlreiche Besucher aus aller Welt fanden sich fast täglich in ihrem Haus ein und schildern Luise Kautsky als eine liebenswürdige, geistvolle Gastgeberin. August Bebel, der am nahen Innsbrucker Platz wohnte, war fast jeden Sonntag Abendgast. Darüber hinaus verstand sie es aber auch, freundschaftliche Verbindungen auch dann aufrecht zu erhalten, wenn sie durch politische Meinungsverschiedenheiten gefährdet waren, wie zum Beispiel mit Rosa Luxemburg, für die sie mit Wärme eintrat, auch wenn sich ihre politischen Wege getrennt hatten. Die „Briefe Rosa Luxemburgs an Luise Kautsky“ haben weitgehend die öffentliche
Meinung über Rosa Luxemburg positiv beeinflusst.

Zahlreiche wertvolle Übersetzungen zum wissenschaftlichen Sozialismus zeigen, dass Luise mit dem Thema völlig vertraut war. Eine nicht zu Ende geführte Autobiografie und Lebensskizzen von Frauen aus der Internationale, die leider verschollen sind, würden sicher noch mehr über ihre engagierte Arbeit erzählen.

In den Wirren des Ersten Weltkriegs gingen die Kautskys zurück nach Wien. Später als Hitler Wien eroberte, nach Prag und von da nach Amsterdam. Dort ist Kautsky 1938, 84-jährig, gestorben, bis zuletzt umsorgt und gepflegt von seiner Frau.

Die beiden ältesten Söhne waren im Ausland in Sicherheit, aber der Jüngste kam in eines von Hitlers Konzentrationslagern, weshalb sich Luise nicht entschließen konnte, der Einladung von Freunden nach England zu folgen. Wenige Tage nach ihrem 80. Geburtstag wurde auch sie verhaftet und nach Auschwitz gebracht, wo sich auch ihr Sohn befand, den sie aber nicht mehr wiedersah.

Im November 1944 starb sie nach einem anstrengenden Transport innerhalb des Lager. Es gibt kein Grab für sie, aber einen Stolperstein in der Charlottenburger Windscheidstraße 31, wo die Kautskys ebenfalls eine Zeitlang wohnten. Und eine Widmung Karl Kautskys in einem seiner Bücher: „Diese Buch widme ich meiner teuren Luise, der Mutter meiner Söhne, dem treuen Kameraden, der unermüdlichen und verständnisvollen Helferin bei meiner Arbeit, der begeisterten und tapferen Verfechterin unserer gemeinsamen Ideale.“

Eva Liebchen

 

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