‚Mut zum Entschluss und der Stirn zu unterscheiden‘

Veröffentlicht am 13.07.2012 in Bezirk

Einweihung des Gedenkorts Hilde Radusch

Gedenkort für Hilde Radusch wurde eingeweiht

"Das ist ein toller Bezirk, dieses Schöneberg, in dem eine Lesbin und eine Kommunistin geehrt werden kann“, sagte Dr. Gabriele Wohlauf, eine Weggefährtin Hilde Raduschs, während der Eröffnung des Gedenkortes in der Eisenacherstraße Ecke Winterfeldstraße. Tatsächlich wurde an diesem 23. Juni der erste Berliner Gedenkort für eine lesbische Frau, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde, eingeweiht.
Um die 60 Menschen, vor allem Frauen, versammelten sich, um der Einweihung des Gedenkortes für Hilde Radusch in Schöneberg beizuwohnen. Darunter auch Weggefährtinnen und Freundinnen von Radusch, wie Wohlauf, die sich durch Hilde Radusch haben bewegen lassen in ihrem Leben. Radusch war Dichterin, Politikerin, Kommunistin, Frauen-und Lesbenbewegte und vor allem eine Kämpferin. Sie gab nicht auf, als sie von den Nazis verfolgt wurde und auch nicht als sie ihre Arbeit als Leiterin des Schöneberger Büros der „Opfer des Faschismus“ verlor, da sie als „lesbisch“ denunziert wurde.
Als Miss Marples Schwestern an die SPD-Fraktion in Tempelhof-Schöneberg herantraten, war klar, dass es politischer Wille sein musste diese Ausnahmeperson zu ehren. Der Antrag wurde 2009 eingebracht. Die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler beschrieb in ihrer Eröffnungsrede den Werdegang: Der Antrag wurde 2010 konsensual beschlossen, 2011 unterstützte die Bezirksverordnetenversammlung den Gedenkort mit Sondermitteln. Der mangelnde Kooperationswillen des Vermieters führte dazu, dass nicht eine unauffällige Gedenkplatte am ehemaligen Wohnhaus Raduschs zu finden ist, sondern statt dessen ein auffälliger Gedenkort in der Eisenacherstraße Ecke Winterfeldplatz entstand. Zwei Sitzgelegenheiten stehen vor den Tafeln. Sie laden dazu ein, mehr über Hilde Radusch zu erfahren, die die/den Betrachter*in von einer der Tafeln keck anschaut.
Ilona Scheidle, eine Mitstreiterin von "Miss Marples Schwestern“ und Mitgestalterin der Inhalte auf der Tafel verlas einen persönlichen Brief an Hilde, den sie vor Ort verlas und beschrieb Radusch so: „Du warst Macherin und Kämpferin in Wort und Schrift, warst eine verletzbare Agitatorin der Ersten und Zweiten Frauenbewegung, hemmungslos leidenschaftliche Demokratin mit dem ‚Mut zum Entschluss und der Stirn zu unterscheiden‘..“. Und in Anbetracht der gerade stattfindenden Pride Week führte sie aus: „Frauen zu vergessen ist gesellschaftlich nicht mehr konsensfähig; konsensfähig ist, dass Lesben zur NS-Gedenkformation, dem Nadelöhr deutscher Geschichtsbewusstheit gehören. Gut so.“

 
 

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