Antrag zur BVV Feb21 Antrag 6

Antrag

der Fraktion der SPD

zur Herbeiführung eines Ersuchens

gem. § 12 Abs. 1 Satz 2 BezVG

 

Betreff: Frauen haben Vorrang: abgetrenntes Teilstück der Marienfelder Allee nach Elvira Castner umbenennen

 

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

BVV ersucht das Bezirksamt das Teilstück der verkehrlich abgetrennten südlichen Teile der Marienfelder Allee von der Friedenfelser Straße bis zur Stadtgrenze nach Elvira Castner umzubenennen.

Laut der Mitteilung zur Kenntnisnahme der Drs. 0339/XX „Orientierung in Marienfelde“ ist eine Umbenennung rechtlich möglich. Umbenennungen sind nach der AV Benennung nur zulässig zur Beseitigung von Doppel-oder Mehrfachbenennungen. Von einer Doppelbenennung ist nach der AV Benennung auch bei Straßen gleichen Namens auszugehen, wenn kein einheitlicher Verlauf oder kein unmittelbarer

Zusammenhang gegeben ist. Dies ist bei der Marienfelder Allee der Fall.

Der BVV ist bis Mai 2021 zu berichten.

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Elvira_Castner

Elvira Castner (* 12. März 1844 in Zempelburg, Westpreußen; † 13. Juli 1923 in Berlin-Marienfelde) war eine deutsche Lehrerin, Zahnärztin und Frauenrechtlerin. Sie gründete 1894 die erste Gartenbauschule für Frauen. Elvira Castner war das fünfte von zwölf Kindern des Apothekers und späteren Rittergutsbesitzers Philipp Castner (1803–1867) und seiner Frau Mathilde Nadal (1817–1898). Ihre Mutter, die sich um den elterlichen Garten kümmerte, vermittelte ihr und ihren Geschwistern schon früh ein Verständnis für den Gartenbau.

Von 1859 bis 1861 besuchte sie das 1. staatliche Lehrerinnenseminar in Posen. Anschließend arbeitete sie für kurze Zeit als Erzieherin, bevor sie eine Stelle als Lehrerin an der städtischen Volksschule in Jastrow (Westpreußen) antrat. Da sie eine chronische Heiserkeit entwickelt, musste sie diese Tätigkeit allerdings nach wenigen Jahren aufgeben.

Castner wollte Zahnmedizin studieren, da die deutschen Universitäten aber keine Frauen zum Studium zuließen, studierte sie von 1876 bis 1878 Zahnheilkunde in Baltimore in den USA. Nach dem Abschluss als Doctor of Dental Surgery kehrte sie nach Deutschland zurück, vertrat zuerst Henriette Hirschfeld-Tiburtius und eröffnete dann eine eigene Zahnarztpraxis in Berlin.

1891 erwarb sie ein Wohnhaus in Friedenau, in dessen Garten sie umfangreiche Gemüsekulturen und Obstbäume anpflanzte.

Während ihres Amerika-Aufenthaltes fiel ihr im Hafen von Baltimore auf, wie hier große Mengen an Obst, insbesondere Äpfel, für den Export nach Deutschland verladen wurden. Sie hatte daraufhin die Idee, dass der Obstbau in Deutschland gefördert werden müsse. In ihren Augen war dies eine geeignete Aufgabe für junge Frauen.

Fast zwanzig Jahre später wollte Castner die damals entstandene Idee umsetzen und Gartenbauschulen für Frauen gründen. Zunächst versuchte sie, dafür eine Genossenschaft zu gründen, konnte aber nicht genug Interessenten für eine Beteiligung finden. Deshalb beschloss sie, ohne fremde Hilfe eine entsprechende Schule zu eröffnen.

Am 1. Oktober 1894 eröffnete Castner die erste Obst- und Gartenbauschule für Frauen auf den Grundstücken Fregestraße 40 und 41. Im ersten Jahr besuchten 7 Schülerinnen die Schule, im zweiten Jahr schon 16 Schülerinnen.

Einige Jahre später bot sich ihr die Möglichkeit, in Marienfelde ein Areal von 14 Morgen zu kaufen, auf dem sie ein eigenes Schulhaus errichten ließ. 1899 siedelte die Gartenbauschule mit 32 Schülerinnen nach Marienfelde um, wo auf dem größeren Gelände die Möglichkeit bestand, mehr Schülerinnen an der Schule aufzunehmen. Dieses Gelände hatte die Adresse Berliner Straße 5–6 und lag zwischen der Bismarck- (seit 1947: Beißstraße) und Emilienstraße.

Im Durchschnitt besuchten jährlich zwischen 60 und 70 junge Frauen die Schule. Zu Castners 70. Geburtstag im Jahr 1913 hatten bereits fast 700 Frauen die Gartenbauschule besucht, nach 25 Jahren des Bestehens (1919) wurde die tausendste Anmeldung gezählt. Die Absolventinnen waren zwischen 16 und 50 Jahre alt, es gab für die Aufnahme als Schülerin keine Obergrenze für das Alter, allerdings wurde für die Aufnahme ein «Abgangszeugnis der ersten Klasse einer höheren Mädchenschule» verlangt.

Neben der zweijährigen Vollzeitausbildung bot die Schule auch Gartenbaukurse für Lehrerinnen an, die jeweils im Frühling und Herbst stattfanden. Diese Kurse wurden durch das Kultusministerium gefördert.

Castner leitete die Schule bis ins hohe Alter selbst und sorgte für eine stetige Weiterentwicklung des Lehrprogramms.

Die Obst- und Gartenbauschule wurde 1922 geschlossen, Gelände und Gebäude an die Deutsche Reichsbahn verkauft. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude zerstört.

 

Berlin, den 08. Februar 2021

Marijke Höppner                                                                     Ingrid Kühnemann

und die weiteren Mitglieder der

Fraktion der SPD