Antrag zur BVV Feb21 Antrag 5

Antrag

der Fraktion der SPD

zur Herbeiführung eines Ersuchens

gem. § 12 Abs. 1 Satz 2 BezVG

Betreff: Frauen haben Vorrang: Straße nach Audre(y) (Geraldine) Lorde benennen

 

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Die Bezirksverordnetenversammlung ersucht das Bezirksamt, den Verbindungsweg zwischen Monumentenstraße und Geßlerstraße nach Audre(y) (Geraldine) Lorde (18.02.1934 – 17.11.1992, Pseudonym Rey Domini), Aktivistin, Schriftstellerin und Professorin für Literatur und Englisch zu benennen. Der Weg soll den Namen „Audre-Lorde-Weg“ tragen.

 

Begründung:

Das Bezirksamt hat in der Beantwortung der Großen Anfrage Drucksache 2024/XX die Benennung des o.a. Verbindungsweges angeregt.

Audre Lorde wurde am 18.02.1934 in New York City als Kind von Einwander*innen aus der Karibik geboren. Seit den 1960er-Jahren, in denen Lorde sich sowohl in der Anti-Kriegs-, Bürgerrechts- und in der Frauenbewegung engagierte, veröffentlichte sie kontinuierlich. Später erhielt sie dafür zahlreiche Auszeichnungen. Von 1980 bis 1987 war Lorde Englisch-Professorin und anschließend Inhaberin des Thomas-Hunter-Lehrstuhls für Literatur, am „Hunter College“ der City University of New York.

Lorde war eine der Hauptredner*innen der ersten Gay-and-Lesbian-Liberation-Demonstration, Verlagsmitgründerin von „Kitchen Table: Women of Color Press“ und Organisationsmitbegründerin für Frauen in Südafrika, „State Poet“ von New York.

1984 sowie von 1986 bis zu ihrem Tod im Jahr 1992 besuchte die lesbische Feministin jedes Jahr Berlin als internationaler Gast. Unter anderem war sie Gastprofessorin an der Freien Universität Ihre Aufenthalte in Berlin machten sie zur Kritikerin der zunehmenden rassistischen Diskriminierungen und Übergriffe in West- und Ostdeutschland sowie in ganz Europa seit 1989.

Audre Lordes Texte, aber besonders ihre Veranstaltungen in Berlin – etwa 1984 als Gastprofessorin des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien an der FU – bewirkten (nicht nur) in der Bundesrepublik Deutschland die positive Selbstbenennung „afro-deutsch“. Sie stieß die politische Organisierung afro-deutscher Frauen („Adefra“) und gender-gemischter Zusammenhänge („Initiative Schwarze Deutsche“/ISD, heute: „Initiative Schwarzer Menschen“) sowie entsprechende Forschungen an. Audre Lorde gehört zu den weltweit wichtigsten feministischen Theoretiker*innen der 1970er und 1980er-Jahre, die sich mit race, class, gender und sexuality beschäftigten. Ihre Studien führten zu einer kritischen Thematisierung von Unterschieden in der bundesdeutschen Frauen- und Lesbenbewegung und zu einer expliziten Auseinandersetzung weißer Feministinnen mit ihrem eigenen Rassismus, wodurch sich ‚die’ Bewegung individuell wie kollektiv veränderte. Außerdem kam von ihr der Anstoß zu einer separaten Organisierung afro-deutscher Frauen und Lesben. Die FU bezeichnete sie als „Ikone der zweiten feministischen Bewegung“ und beschrieb: „Sie vereinte viele Minderheiten, denen sie selbst angehörte: farbige Künstler, 'Black Liberation', sowie die Frauenbefreiungsbewegung 'Women's and Gay Liberation'. Als wichtige Person der Frauenbewegung und der feministischen Bewegung werden ihre Werke weiterhin gelesen und ihr Leben und Wirken im Hinblick auf ihre schriftstellerische, feministische, soziale und menschenrechtliche Tätigkeit diskutiert.“ (https://www.jfki.fu-berlin.de/library/exhibitions/audre_lorde_exhibition/index.html )

Ihren letzten Sommer verbrachte Audre Lorde 1992 in Schöneberg. Sie starb kurz darauf am 17.11.1992 in Christi ansted, Saint Croix (Virgin Islands) an Krebs. 14 Jahre lang hatte sie mit dieser Krankheit gelebt. Sie verarbeitete ihre Erfahrungen literarisch in ihrem „Krebstagebuch“. Kurz vor ihrem Tod nahm sie den afrikanischen Name Gambda Adisa („She who makes her meaning known“) an.

Ihrer Berliner Zeit wurde der Film „Audre Lorde - Die Berliner Jahre 1984 bis 1992“ gewidmet, der 2012 bei der Berlinale seine Premiere hatte.

 

Berlin, den 8. Februar 2021

Marijke Höppner                                                              Manuela Harling

und die weiteren Mitglieder der

Fraktion der SPD