Antrag zur BVV Feb21 Antrag 4

Antrag

der Fraktion der SPD

zur Herbeiführung eines Ersuchens

gem. § 12 Abs. 1 Satz 2 BezVG

 

Betreff: Frauen haben Vorrang – Straße 229 nach Ingrid Rabe benennen

 

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Die Bezirksverordnetenversammlung ersucht das Bezirksamt, die Straße 229 in Ingrid-Rabe-Straße zu benennen.

 

Begründung:

Ingrid Rabe (1916 – 2012) war von Beruf Tänzerin, es war ihr Traumberuf. Sie wurde stellvertretende Ballettmeisterin im Metropoltheater, tanzte im Wintergarten, war Frontgirl in vielen Filmen von Marika Rökk. Sie kannte Henny Porten, Asta Nielsen, Zarah Leander, aber das Leichtlebige, die Bohème, das war nicht ihr „Milljöh“, da fühlte sie sich nicht so zu Hause (vgl. Tagesspiegel, https://www.tagesspiegel.de/berlin/ingrid-rabe-geb-1916/6924656.html)

In den Kriegsjahren konnte sie zwar weiterhin tanzen und war auf Tourneen unterwegs. Die Sorge um ihre 1943 verhaftete Mutter belastete sei jedoch schwer. Ingrid blieb ohne Wissen um das Schicksal und Wohlergehen ihrer Mutter, die bis zur Befreiung im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück inhaftiert war.

Nach dem Kriegsende tanzte Ingrid Rabe weiter, heiratete, brachte eine Tochter zur Welt und übte ihren Beruf weiter aus. Geprägt durch die Zeit des Nationalsozialismus engagierte sie sich nach 1945 zusammen mit ihrer Mutter in der Lagergemeinschaft Ravensbrück, deren Gründungsmitglied sie war. Ihre politische Arbeit verstand Ingrid Rabe Generationen übergreifend. Deshalb bemühte sie sich stets um Austausch und Dialog mit Frauen und Männern aller Altersgruppen.

Ingrid Rabe war ebenfalls Mitglied in der in Boston gegründeten Initiative “One by One”, einer Gruppe, in der sich Kinder von Verfolgten des Nationalsozialismus und Kinder von Tätern und Mitläufern begegnen. In der Organisation politisch-rassisch und religiös Verfolgter war sie aktives Mitglied und Vertretung des Vorstandes.

In Berlin-Tempelhof hat Ingrid Rabe den Frauenmärz mitbegründet. Andere Bezirke nahmen sich dies zum Vorbild und organisierten ihren “eigenen” Frauenmärz. Für die Plakataktion “Frauen bewegen Berlin” des Berliner Senats wurde sie als eine von 15 Berlinerinnen ausgewählt, die „in Vergangenheit und Gegenwart diese Stadt geprägt und sich in unterschiedlichsten Bereichen engagiert haben“.

Nie in einer Partei organisiert, betrachtete sich Ingrid Rabe als politischen Menschen, der sich gegen Unrecht einsetzt. 2005 wurde sie für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Ingrid Rabe verstarb am 20.Juni 2012 und wurde auf dem Christus-Friedhof in Mariendorf beigesetzt.

 

Berlin, den 08. Februar 2021

Marijke Höppner                                                                                             Manuela Harling           

und die weiteren Mitglieder der

Fraktion der SPD