Antrag zur BVV Feb21 Antrag 1

Antrag

der Fraktionen der SPD, der FDP, der LINKEN, der CDU

zur Herbeiführung eines Ersuchens

gem. § 12 Abs. 1 Satz 2 BezVG

 

Betreff: Benennung des Platzes vor dem "Lebensort Vielfalt II" nach Charlotte Wolff

 

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Die Bezirksverordnetenversammlung ersucht das Bezirksamt, auf Vorschlag der Schwulenberatung den zukünftigen Platz vor dem neuen „Lebensort Vielfalt II“ am Tempelhofer Weg (künftig Ella-Barowsky-Straße) Ecke Gotenstraße nach Charlotte Wolff (1897-1986) zu benennen.

 

Der BVV ist bis Mai 2021 zu berichten.

 

Begründung:

Es ist wichtig, queere Menschen noch stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Der Platz vor dem Lebensort Vielfalt am Südkreuz ist dafür sehr geeignet, denn dort entsteht ein besonderes Wohnprojekt für schwule Senioren, ältere lesbische Frauen, Trans-, Inter- und jüngere LSBTIQ-Menschen. Dr. med. Charlotte Wolff hat sich durch ihr Wirken und ihre Arbeit hervorgetan und ist eine bedeutende Vertreterin ihrer Zeit:

 

Dr. med. Charlotte Wolff lebte von 1897 bis 1986. Sie hat in Berlin studiert, in Friedenau gewohnt und in Neukölln als angestellte Ärztin gearbeitet. Sie war mit einigen der bedeutendsten Leute befreundet, die damals in Berlin lebten: Walter Benjamin und Franz Hessel. Charlotte Wolff gehörte keiner Partei an. Sie war an „der Einrichtung der ersten Klinik für Schwangerschaftsverhütung in Deutschland“ beteiligt und beriet am Alexanderplatz zum Thema Familienplanung. Diese Tätigkeit wurde „zu einem kontroversen Streitpunkt für die ganze Stadt“. Im Februar 1933 wurde ihr, als Jüdin, gekündigt, ihre Wohnung wurde durchsucht; sie verließ Deutschland im Mai. Erst 1978 hat sie es wieder betreten. Auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg steht heute ein Gedenkstein für sie. Neben ihrer Berufstätigkeit als Psychiaterin, später in London, hat sie ein schriftstellerisches Werk geschaffen, das in seiner Seriosität und seinem wissenschaftlichen Gehalt von bleibender Bedeutung ist.

 

Berlin, den 1.2.2021

Marijke Höppner                                                           Martina Sommerfeld                       

und die weiteren Mitglieder der

Fraktion der SPD

Reinhard Frede

und die weiteren Mitglieder der

Fraktion der FDP

Elisabeth Wissel

und die weiteren Mitglieder der

Fraktion der LINKEN