Antrag zur 8. BVV XXI - Antrag 6

ANTRAG
der Fraktion der SPD
in der BVV Tempelhof-Schöneberg

Frauen haben Vorrang: Straße 40 in Lichtenrade nach Ottilie Ehlers-Kollwitz benennen

Die Bezirksverordnetenversammlung ersucht das Bezirksamt, die Straße 40 nach der Malerin und Grafikerin Ottilie Ehlers-Kollwitz zu benennen. Die Straße soll künftig Ottilie-Ehlers-Kollwitz-Straße heißen. 

Der BVV ist bis zur Sommerpause zu berichten.

 

Begründung

Die Malerin und Grafikerin Ottilie Ehlers-Kollwitz lebte zusammen mit ihrem Ehemann Hans Kollwitz bis zu ihrem Tod im Franziusweg in Lichtenrade. Mit der Benennung der Straße 40, die ebenfalls in Lichtenrade liegt, nach Ottilie Ehlers-Kollwitz würde in Lichtenrade eine Lichtenraderin geehrt werden.

Ottilie Ehlers (nach der Eheschließung trug sie den Namen Ehlers-Kollwitz) wurde 1900 in Finkenkrug/Falkensee geboren. Ab 1919 studierte sie an der Reimann-Schule in Schöneberg und an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums bei Max Hertwig, Emil Orlik und Ernst Böhm. 

1920 heiratete sie Hans Kollwitz und wurde dadurch zur Schwiegertochter der Künstlerin Käthe Kollwitz. Zwischen 1921 und 1930 bekam sie vier Kinder. Ab dem ersten Kind widmete sie den Großteil ihrer Zeit für die Familie und die Kindererziehung. Ihre künstlerischen Arbeiten entstanden in den Jahren in der wenigen Zeit, die sie sich als Mutter freihalten konnte.

1923 entstand „Das Buch vom kleinen Peter“ mit handkolorierten Holzschnitten und eigenen Versen. Sie nutzte ihre wenige Freizeit auch zur künstlerischen Weiterentwicklung. Ab 1925 beschäftigte sie sich mit der Technik der Radierung.

Auch den Holzschnitt perfektionierte sie, ein Großteil ihrer Werke wurden allerdings im Krieg zerstört. Nach dem Krieg wurde sie Illustratorin für den Volk und Wissen Verlag. Ab 1950 beschäftigte sie sich mit chinesischen Holzschnitten und Malerei und sie reiste in den folgenden Jahren immer wieder nach Italien und Elba. Diese Reisen hatten Auswirkungen auf ihr Werk. Sie inspirierten sie zu lichtdurchfluteten Aquarellen, Farbholzschnitten und Farbmonotypien. 

Ab Mitte der 1950er Jahren nahm auch die „Kunstwelt“ ihr Werk war. Mit dem plötzlichen Tod Ottilie Ehlers-Kollwitz im Jahr 1963 wurde diese Rezeption allerdings für Jahrzehnte unterbrochen. Erst 2010 wurden ihre Werke durch eine umfassende Werkschau wieder einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ottilie Ehlers-Kollwitz ist in der Vorschlagsliste mit Frauennamen für Straßenbenennungen, die beim BA geführt wird, enthalten.



Berlin, den 9. Mai 2022
Marijke Höppner Corinna Volkmann (Mail)Manuela Harling (Mail)

und die weiteren Mitglieder der
Fraktion der SPD