Erinnern an das KZ Columbia-Haus mitten in Berlin

Veröffentlicht am 01.02.2012 in Gegen Rechtsextremismus

Anlässlich des Shoa-Gedenktages 2012 gedachte die Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert zusammen mit einhundert Gästen den bekannten und unbekannten Opfer des 'vergessenen' Schreckensortes KZ Columbia-Haus. In die ver.di MedienGalerie gekommen waren SozialdemokratInnen, GewerkschafterInnen, VertreterInnen des Fördervereins für ein Gedenken an die Naziverbrechen auf dem Tempelhofer Feld e.V., der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V., engagierte BürgerInnen von Stolpersteininitiativen, VertreterInnen der Tempelhof Projekt GmbH, der mobilen Beratungsteams gegen Rechts, der Jüdischen Gemeinde Berlin, der Senatsverwaltung, von Migrantenselbstorganisationen, wie Huzur und Harmonie e.V., und viele BürgerInnen, die gemeinsam an die Schicksale der Häftlinge des KZ Columbia-Haus erinnerten.

Auch die ver.di MedienGalerie in der Dudenstraße 10 in Kreuzberg, wo die Gedenkveranstaltung stattfand, war als Gewerkschaftshaus vom Nazi-Terror nicht verschont geblieben. Das ehemalige Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker besetzten und plünderten die Nazis am 2. Mai 1933, wie alle Gewerkschaftshäuser. Aktuell ist in der ver.di MedienGalerie die Ausstellung Berliner Tatorte - Dokumente rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt von ReachOut Berlin zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. Februar 2012.

In ihrer Ansprache forderte Mechthild Rawert klare und entschlossene Positionen zur Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen, unübersehbaren Zeichen von Rassismus und Rechtsradikalismus. Die Geschichte des ersten Berliner Konzentrationslagers wurde von der Historikerin Dr. Irene von Götz eindringlich dargestellt. Der Aufarbeitung und dem heutigen Sichtbarmachen hat sich der Förderverein für ein Gedenken an die Naziverbrechen auf dem Tempelhofer Feld e.V. www.thf33-45.de als Aufgabe gestellt. Als Vorsitzende dieses engagierten Fördervereins sprach die Politologin Beate Winzer auch über die Zwangsarbeit auf dem Tempelhofer Feld und erinnerte an die Überfälligkeit eines zentralen Denkmals.

Die Veranstaltungsgäste wanderten anschließend zum Originalstandort des berüchtigten KZ Columbia-Haus auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld, wo in der Nähe des Radarturms mit einer Schweigeminute und Kranzniederlegung der Inhaftierten, Verfolgten und Todesopfer der Nazi-Diktatur gedacht wurde. Zum Abschluss war die Gedenkanlage für die Opfer auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf dem Columbiadamm, aus Edelroststahl geformte Gefängniszellen, weit sichtbar mit gelben Rosen und Kerzen geschmückt. 1994 war dieses Mahnmal, geschaffen von dem Berliner Künstler Georg Seibert, vom damaligen Tempelhofer Volksbildungsstadtrat Klaus Wowereit eingeweiht worden.

KZ Columbia-Haus in das kollektive Gedächtnis zurückbringen
Namen von Inhaftierten im KZ Columbia-Haus, wie Leo Baeck, Dr. Ferdinand Friedensburg, Kurt Hiller, Dr. Robert M. W. Kempner, Franz Klühs, Wolfgang Szepansky und viele andere machten die grausame Vergangenheit wieder lebendig und verdeutlichten die gezielte Vernichtung der Intelligenz durch die Nazi-Schergen.

Von der Dudenstraße, vom Mehringdamm und Tempelhofer Damm her rasten ab 1933 Polizeilastwagen, beladen mit politischen Gegnern, zur Polizeiarrestanstalt auf dem Flugfeld Tempelhof. Mit wilden Razzien spürten die Nazis sofort nach der Machtübernahme Hitlers überall in Berlin systemkritische Intellektuelle auf. Redakteure des 'Vorwärts', standhafte Journalisten, kämpferische Gewerkschaftler, Kabarettisten, Rabbiner wurden in dem 'wilden' KZ Columbia-Haus inhaftiert, in grausamer Einzelhaft gehalten und gefoltert. Anklagepunkte waren Vorbereitung zum Hochverrat, illegale Betätigung in der sozialdemokratischen oder kommunistischen Partei und kritische Äußerungen gegen die neue Regierung und zum Reichstagsbrand. Der Ort des Schreckens wurde bis zur Schließung 1936 zum ersten Konzentrationslager in Berlin in der Vorkriegszeit und geriet nach dem Abriss des Gebäudes 1938 zugunsten des Flughafenbaus lange Zeit in Vergessenheit.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat 2011 beschlossen, bei der Entwicklung des Tempelhofer Feldes hier am Columbiadamm einen Gedenk- und Informationsort an die Verbrechen der NS-Zeit entstehen zu lassen. In diesem Jahr soll eine Gedenktafel am ehemaligen Standort des KZ Columbia-Haus aufgestellt werden.

 

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